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Fritz Meurer und sein Sohn Markus Meurer

Auch der Vater von Markus Meurer, Fritz Meurer (1932 – 2003), war ein Outsider Künstler. Er schnitzte und kolorierte naturgetreu kleine Figuren aus Holz, die er an Touristen verkaufte.

Fritz Meurer, Hummeln, ca, 1970. Foto: P. Nieting

In den 70er und 80er Jahren meißelte er für den Besitzer eines Steinbruchs Figuren aus dem da abgebauten Lava-Basalt.

Fritz Meurer, Figur im Mayener Grubenfeld. Foto: P. Nieting

Als Motorrad-Freak baute er auch aus Abfallmaterialien kleine Motorräder, die den Originalen verblüffend ähnlich sahen. Diese Motorrad-Modelle von Fritz Meurer  wurden durch die Vermittlung des Bildhaues Udo Weingart von 1968 bis 1972 in Galerien und Museen ausgestellt (Galerie Werner, Köln, Folkwang Museum Essen, frans hals museum, Haarlem). Fritz Meurer zog sich aber bald wieder aus der Öffentlichkeit zurück. Seine Werke sind weit verstreut. Wenige sind in seiner Familie erhalten.

Fritz Meurer ließ seinen Sohn Markus schon als Kind bei seiner Arbeit zusehen und selbst arbeiten und unterstützte ihn. Dass Markus immer stärker seiner Fantasie freien Lauf ließ, begrüßte er. „Du bist besser als ich“, soll er gesagt haben.

Markus Meurer bewundert seinen Vater sehr, aber mit dessen Werken verfährt er ebenso wie mit den eigenen: Wenn er fühlt, dass sie verändert werden wollen, scheut er nicht davor zurück, sie weiter zu bearbeiten. Ein altes Motorrad-Modell seines Vaters, das lange in seinem Arbeitsraum stand, erhielt plötzlich einen Fahrer nach der Art von Markus und so entstand die folgende Arbeit:

Fritz Meurer, Motorrad, ca. 1970, erweitert von Markus Meurer, 2015, Assemblage, 30 x 15 x 42 cm. Foto: P. Nieting

 

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„Libération“ über Markus Meurer

Am 4. Dezember brachte die große französische Tageszeitung „Libération“ einen ausführlichen Bericht über die Ausstellung „Sous le vent de l’art brut 2 – Collection De Stadshof“ in der „Halle Saint Pierre“ in Paris. Sie geht darin ausführlich auf Markus Meurer ein:

(Artikel stark gekürzt)

Filon d’art brut néerlandais

(…)  Après la collection allemande Charlotte Zander, en 2011, Martine Lusardy, directrice de la halle Saint-Pierre, propose pour la première fois en France la prestigieuse collection néerlandaise De Stadshof, dont elle assure le commissariat avec Liesbeth Reith et Frans Smolders, conservateurs de la dite collection depuis son origine, en 1985. Tous trois ont sélectionné une quarantaine d’artistes, dont les créations sont réparties sur les deux niveaux de la halle Saint-Pierre, à Paris, dans des ambiances très distinctes – sombre en bas, plus aérée à l’étage. On y redécouvre des classiques : outre Willem van Genk, les assemblages de pièces électroniques du Français A.C.M., les petits fantômes muraux (la Suite incertaine, 2002-2004) et les «cages» blanches de l’artiste textile française Marie-Rose Lortet ou les inquiétants animaux sur toile de la Suisse Christine Sefolosha.
Mais «Sous le vent de l’art brut 2» est surtout l’occasion de découvrir les artistes moins connus que défendent Liesbeth Reith et Frans Smolders. A commencer par l’Allemand Markus Meurer, né en 1959, perçu comme antisocial, mais par ailleurs très attaché aux valeurs familiales. C’est d’ailleurs de son père, Fritz, qu’il tient son goût pour la récupération et l’assemblage, ainsi que pour la nature et les matières, toutes les matières : «Les déchets n’existent pas, clame-t-il. Seule la matière existe.» Artiste autodidacte, papa Meurer érigea des sculptures de bois et de pierre tout autour de la maison familiale. Markus, comme son paternel, sculpte de drôles de bêtes, des navires. Mais aussi d’immenses humanoïdes «jamais achevés», explique Frans Smolders, admiratif. «Il a toujours quelque chose à leur ajouter, comme si chaque pièce prolongeait leur vie.»
Les deux plus grandes œuvres représentent son père et sa mère, et ont une fonction, comme la plupart de ses créations : celle de protéger les siens. A la suite d’un accident de moto qui blessa gravement son père, Markus avait ainsi réalisé une sorte d’insecte monté sur un engin aux airs de Mad Max, comme un talisman pour Fritz.  (…)

Stéphanie ESTOURNET

Markus Meurer, Virenmaschine, Assemblage, ca. 1986, 141x56x142cm

Markus Meurer, Virenmaschine, Assemblage, ca. 1986, 141x56x142cm

Diesmal gleich die deutsche Übersetzung der Abschnitte über Markus Meurer:

(…)  Aber die Ausstellung „Sous le vent de l’art brut 2“ gibt vor allem die Möglichkeit, weniger bekannte Künstler zu entdecken, die von Liesbeth Reith und Frans Smolders vorgestellt werden. Zu nennen ist da der deutsche Künstler Markus Meurer, geboren 1959, der als Außenseiter gilt, aber mit seiner Familie sehr stark verbunden ist. Von seinem Vater Fritz hat er die Vorliebe zur Wiederverwertung und zur Montage übernommen, wie auch die Liebe zur Natur und und seine Einstellung zur Materie, und zwar zu jeder Art von Materie. „Abfall gibt es nicht“, verkündet er, „es gibt nur Materie“.                 Als Autodidakt in der Kunst stellte Vater Meurer Skulpturen aus Holz und Stein rund um das Haus der Familie. Markus formt wie sein Vater lustige Tiere, Schiffe, aber auch riesige Menschenwesen, die „nie fertig sind“, erklärt Frans Smolders mit Bewunderung. „Er fügt immer wieder etwas hinzu, als ob jedes neue Stück ihr Leben verlängern würde.“                                                                     Die beiden größten Skulpturen der Ausstellung stellen seinen Vater und seine Mutter dar, und haben wie die meisten seiner Werke dieselbe Funktion: sie sollen die Seinen schützen. Nach einem Motorradunfall, bei dem sein Vater schwer verletzt wurde, schuf Markus eine Art Insekt, das wie Mad Max auf einer Maschine sitzt, als Talisman für seinen Vater.  (…)

Fritz Meurer bei YouTube

Es ist ungewöhnlich, dass Vater und Sohn Outsider-Künstler sind. Bei Markus Meurer ist das der Fall: Auch sein Vater Fritz Meurer (1932-2003) schuf als Outsider Kunstwerke. Von Kind an schnitzte er kleine Holzfiguren. Später meißelte er Figuren aus Stein und stellte Modelle aus Abfallmaterialien her, z.B. Motorräder.

Fritz Meurer, Motorräder, Abfallmaterialien, ca. 10x20x3 cm

Fritz Meurer, Motorräder, Abfallmaterialien, ca. 10x20x3 cm

Auf öffentliche Anerkennung legte er keinen Wert. Nur in wenigen Jahren der Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Udo Weingart nahm er an Ausstellungen teil.

Fritz Meurer, Ritter, Holz, bemalt

Fritz Meurer, Ritter, Holz, bemalt, lebensgroß

1969 Galerie Michael Werner, Köln: „Fritz Meurer, Motorrad- Modelle“
1971 Museum Folkwang, Essen: „Motorradobjekte“
1971 Lijnbaancentrum, Rotterdam (NL): „Motorrr…!“
1972 Frans-Hals-Museum, Haarlem (NL): (Beteiligung)
1972 Werkstatt und Galerie Kaltenbrunn (Ö): „Kräder: Motorräder“                       Oft verschenkte er seine Werke, wenn er merkte, dass sie einem Besucher gefielen.

Fritz Meurer, Eidechse, Stein

Fritz Meurer, Eidechse, Stein, ca. 90x90x150 cm

Ein guter Bekannter hat jetzt bei YouTube ein Video ins Netz gesetzt, das Fritz Meurer bei der Arbeit an Steinen und viele seiner Steinarbeiten zeigt: https://www.youtube.com/watch?v=xFqJAV3R9Hg                                               Ein interessantes Dokument!

Die Angaben stützen sich teilweise auf die unveröffentlichte Wissenschaftliche Hausarbeit „Die Phantasiewelt des Bildhauers Fritz Meurer“ von Marina Götz, Gießen 1988.