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Schätze aus dem Keller

Das war ein trauriger Tag für Markus Meurer. Er sammelt immer viel „Materie“, um daraus Kunst zu machen. Da häuft sich mit der Zeit einiges an, was er nicht sofort verwenden kann. Und in den beengten Wohnverhältnissen, in denen er lebt, kommt es dann manchmal zum Konflikt mit seiner Umgebung, weil die sich dadurch gestört fühlt.

So musste am Anfang dieses Monats eine große Menge der von ihm gesammelten Materie, die im Keller lagerte, entfernt werden. Dabei zeigte sich, dass sich inmitten der Materie auch zahlreiche Kunstwerke befanden, für die in seiner Wohnung offensichtlich kein Platz mehr gewesen war.

Einige der geborgenen Werke sollen hier gezeigt werden. Einen Titel haben die Werke im Moment noch nicht. Wegen der Corona-Pandemie konnte ich Markus Meurer noch nicht danach fragen. Ich werde sie später nachtragen.

Neues aus dem Atelier

Recklinghausen-Fisch, 2019

Markus Meurer, Recklinghausen-Fisch, 2019, Assemblage, 35 x18 x 30 cm. Foto P. Nieting

Einige Arbeiten von Markus Meurer aus den letzten Monaten, die nun darauf warten, ausgestellt zu werden und einen neuen Besitzer zu erfreuen.

Ein richtiger Schritt nach vorn

Markus Meurer, Der richtige Schritt nach vorn, Assemblage, 2018, 54 x 18 x 40 cm. Foto P. Nieting

Das neue Jahr fängt gut an für Markus Meurer.

Die Jahresausstellung im Kunsthaus Kannen in Münster, die bisher schon sehr erfolgreich für den Künstler gelaufen ist, dauert noch bis zum 26. Januar 2020. Wer sich beeilt, kann sie noch sehen.

Für die Ausstellung „Pappel La Papp“, die am 25 April 2020 in Recklinghausen eröffnet wird, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Ich werde rechtzeitig darüber informieren.

Im Juni findet die „Art Brut Biennale“ in Hengelo/Niederlande statt, dafür beginnen die Vorbereitungen allmählich. Auch darüber wird hier berichtet.

Zum Jahreswechsel ein Engel

Markus Meurer, Goldener Tubenengel, 2018, Assemblage, 29 x 10 x 17 cm. Foto P. Nieting

Ein Engel mit Flügeln, teilweise golden, kniend, mit gefalteten Händen.

Aber Meurer hat keinen normalen Engel geschaffen. Dieser ist grob gestaltet. Er hat eine eigenwillige Kopfbedeckung und trägt ein Gepäckstück auf dem Rücken. Und sieht staunend nach vorne.

Welche Funktion der Engel hat, bleibt offen.

Mystic Man

Eine große Figur wächst in Meurers Wohn-Atelier, derzeitiger Name:  „Mystic Man“. Markus Meurer arbeitet an solchen Werken nicht ohne Unterbrechung, intensive Arbeitsphasen wechseln sich mit Ruhephasen ab. Das erste Foto zeigt das Werk im April 2019, die Figur besteht fast ausschließlich aus Metallteilen und Draht.

Markus Meurer, Mystic Man, Assemblage, April 2019. Foto P. Nieting

Im Laufe der letzten Monate hat sich das Werk verändert, es ist nicht mehr so streng, andere Materialien geben ihm mehr Farbe und lockern es auf.

Markus Meurer, Mystic Man, Assemblage, 200 x 104 x 50 cm, Juli 2019. Foto P. Nieting

Hier eine Detailaufnahme des Gesichts von der Figur:

Markus Meurer, Mystic Man (Detail), Assemblage, 2019. Foto P. Nieting

Kleine Kunstwerke

Während in der Wohnung von Markus Meurer wieder eine überlebensgroße Figur wächst, ist gleichzeitig ein kleines Kunstwerk entstanden, das durch seine Zierlichkeit besticht und durch die Verwendung der Materialien verblüfft.

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Markus Meurer, Ich werd reich, Assemblage, 8 x 2,5 x 14 cm, 2018. Foto P. Nieting

Der Titel von Meurers Werk „Papa, Monreal“ von 2015 verwundert zuerst, weil nicht sein Herkunftsort Monreal, sondern sein jetziger Wohnort Kevelaer als Schriftzug deutlich hervorsticht. Aber  Monreal ist durch die schematisch dargestellte Burg präsent,  sein Vater als Motorradfahrer. Beide sind in Meurers Gedankenwelt immer anwesend, genau so wie sein „Molekül“, seine Traumfrau.

Markus Meurer, Papa, Monreal, Assemblage, 16 x 10 x 2 cm., 2015. Foto P. Nieting

Kunst und Blumen

Im letzten Jahr konnte man in Recklinghausen in einem leeren Treibhaus Kunstwerke sehen, wo sie eine ganz andere Wirkung entfalten konnten als in einem Galerie-Raum oder einem Museum.

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Markus Meurer, Gießkannenkunst, Assemblage, 2009, 40 x 14 x 43 cm. Foto P. Nieting

In diesem Jahr wartet in Recklinghausen ein neues Seh-Erlebnis auf die Besucher: Die Kunstwerke wurden in einen Zusammenhang mit Tischen voller blühender Pflanzen gebracht. Und wieder ist die Wirkung überraschend. Das muss man sich ansehen!

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Markus Meurer, Tauchergeschmack, Assemblage, 2013, 34 x 38 x 14 cm. Foto P. Nieting

Die Ausstellung geht noch bis zum 9. Juni 2019. Öffnungszeiten: Mo – Fr. 9.00 – 12.30 und 14.30 – 18.00, Sa 9.00 – 14.00, So 10.30 – 12.30. Floristik Tausch, Westerholter Weg 155, Recklinghausen.

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Markus Meurer, Propeller-Schrecken-Maggi-Antriebsmaschine, Assemblage, 2014, 37 x 36 x 43 cm. Foto H. Nieting

Matinee zu Markus Meurer im Gelderner Wasserturm

Am 12. Mai 2019 findet im Wasserturm in Geldern am Bahnhof um 11 Uhr eine Matinee statt, die Markus Meurer gewidmet ist.

Zuerst wird ein Film über den Künstler gezeigt, den die Kunsthistorikerin Elvira van Eijll und die Filmemacherin Thierry Abels 2013 gedreht haben. Das 45minütige Werk zeigt Meurer in seinem Lebensraum in Kevelaer und lässt ihn über seine Kunstauffassung erzählen und seine Herkunft aus der Eifel.

Im Anschluss an den Film wird  Jan Henin eigene Vertonungen von Texten aus dem Buch „Die plange Angst“ vortragen. Meurer hat das Buch während eines Aufenthalts in England geschrieben.

Emmanuel Merle zu Markus Meurer

In dem Katalog zur „art partagé 2018“ in Rives setzt sich der französische Lyriker Emmanuel Merle mit den Werken in der Ausstellung auseinandert.

Bei Markus Meurer geht er auf dessen großen Figuren ein. Er schreibt:

Que voit-on lorsqu’on éviscère une télévision ? Lorsqu’on désosse un ordinateur ou un portable ? S’imagine-t-on ramper dans les circuits labyrinthiques et numériques des big data ?

Le chaos organisé, le recyclage des déchets industriels et informatiques et la rationalisation déjantée du sousobjet débouchent, c’est selon, sur la tendresse ou l’angoisse, deux faces d’une même pièce rouillée ou étincelante.

Car l’humain est au cœur de ces sculptures, un humain que son augmentation technologique en cyborg ne pourra jamais faire complètement disparaître.

Markus Meurer, Chemiker, Assemblage, 2015, 185 x 60 x 60 cm.     Foto P. Nieting

Hier der Versuch einer Übertragung ins Deutsche (mit Dank an Jan, Ingrun und Anny):

Was kommt zum Vorschein, wenn man einen Fernseher zerlegt? Wenn man einen Computer oder ein Handy auseinandernimmt? Stellt man sich bisweilen vor, durch die labyrinthischen digitalen verschlungenen Wege kriechen zu können?

Die Organisation des Chaos, die Verwertung von industriellen Abfällen und weggeworfenen Datenträgern, die Freilegung von Darunterliegendem, sie erzeugen etwas gleichermaßen Zartes und Furchterregendes, zwei Seiten einer Medaille, verrostet und sternenfunkelnd zugleich.

So wohnt diesen Skulpturen etwas zutiefst Menschliches inne, etwas Menschliches, das trotz ihrer Überhöhung zu Maschinenwesen niemals ganz verschwindet.

 

Aus der Werkstatt

Neben der Arbeit an Skulpturen greift Markus Meurer auch immer wieder einmal zu Pinsel oder Stiften und malt expressive Bilder.

Markus Meurer in seinem Arbeitsraum 2018. Foto P. Nieting

Nach kurzer Zeit sind die Bilder durch aufgeklebte Ausschnitte ergänzt.

Markus Meurer, Gesicht (Ausschnitt), 2018. Foto P. Nieting

Daneben arbeitet Meurer aber auch direkt an Collagen, die zeigen, womit er sich gedanklich auseinandersetzt.

Markus Meurer, Collage, 2017. Foto P. Nieting

Markus Meurer in Südfrankreich

In diesem Herbst sind Werke von Markus Meurer zum ersten Mal in Südfrankreich zu sehen. Nach der Ausstellung  in Paris in der „Halle Saint Pierre“ 2014/15 ist das sein zweiter Auftritt in Frankreich.
Bei der „7ème Biennale de l’art partagé“ in Rives (zwischen Lyon und Grenoble) wird er als Entdeckung angekündigt, als wichtiger Vertreter der deutschen Outsider.

Markus Meurer, Eulenfalter, Assemblage, 2016, 8 x 17 x 15 cm. Foto: P. Nieting

Die Ausstellung wird am 20. Oktober 2018, 18.30 Uhr, eröffnet und bis zum 18. November gezeigt. Ausstellungsort ist die Salle F. Mitterand, 96, rue Sadi Carnot in 38140 Rives.

Auch in Rives: Markus Meurer, Die 1. Ärztin, Assemblage, 2015 (Aussschnitt). Foto: P. Nieting

 

Markus Meurer’s Atelier

Wohnung von Markus Meurer in Kevelaer

Markus Meurer: Atelier in Kevelaer, Juli 2018. Foto: P. Nieting

Ein Besuch bei Markus Meurer in seinem Atelier in Kevelaer ist wie das Eintauchen in eine Zauberwelt. Man braucht viel Zeit, um in dieser Fülle die  vielen einzelnen Objekte in ihrer Schönheit zu entdecken.

Kunst und Handwerk

Das Handwerk dient einem praktischen Zweck, die Kunst braucht nicht unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Ein Künstler muss  zwar die Regeln und Griffe seiner Tätigkeit beherrschen wie ein Handwerker, aber er schafft aus dem Nichts heraus Gestalt.

Markus Meurer, Japanerin, Assemblage, 2017, 11 x 22 x 16 cm. Foto: P. Nieting

Bei Markus Meurer sind es oft Tiere, die kein Zoologiebuch kennt, die aber nichtsdestotrotz leben. Er lässt das Material, das ihm zur Verfügung steht, eine Daseinsform gewinnen, die nicht in dessen ursprünglicher Existenz angelegt war. Volumen, Farben und Linien verwandeln sich nach dem Willen des Künstlers. Dabei wirken  eine deutlich erkennbare handwerklich-technische und eine schwer fassbare geistige Tätigkeit zusammen und erzeugen eine neue Realität.

Markus Meurer, Blumenschmuck-Starter-Skorpion, Assemblage, 2017, 18 x 17 x 27 cm. Foto: P. Nieting

Diese kann nun, solange sie dauert, in den Augen, Herzen und Hirnen anderer Menschen unabsehbar Eindrücke, Empfindungen und Gedanken auslösen.

(In Anlehnung an Ausführungen von Gerhard Ulrich in seiner Broschüre „Was ist Kunst?“, Gütersloh 1967, S.7f.)

Markus Meurer, Kuck-nach-Oben-Biene, Assemblage, 2018, 13 x 12 x17 cm. Foto: P. Nieting

Tierisches

Markus Meurer, Superkekskäfer, Assemblage, 2008, 20 x 17 x 40 cm. Foto: P. Nieting

Markus Meurer, Grünes Schneckenglück, Assemblage, 2010, 30 x 8 x 14 cm. Foto: P. Nieting

Zwei tierische Skulpturen von Markus Meurer aus seiner Anfangszeit in Kevelaer.

Aus dem Atelier

Hier zwei neue Werke von Markus Meurer, die etwa gleichzeitig entstanden und sehr verwandt sind:

Markus Meurer, Die schnelle Reinigungsmaschine der Liebe, Assemblage, 2018, 17 x 15 x 28 cm. Foto: P. Nieting

Markus Meurer, Die Liebe zur Kunst, Assemblage, 2018, 20 x 13 x 5 cm. Foto: P. Nieting

Und ein älteres, das der Künstler jetzt freigegeben hat.

Markus Meurer, Sexgott-Erinnerung, Assemblage, 2010, 21 x 12 x 7 cm. Foto: P. Nieting

 

 

 

Meurers Moleküle nach Hengelo

Endlich kann eine wichtige Werkgruppe von Markus Meurer einer größeren Öffentlichkeit gezeigt werden.
Es handelt sich um 6 lebensgroße Figuren, die 2015 und 2016 in einem intensiven Arbeitsprozess in Kevelaer entstanden sind. Der Künstler hat viele Fundstücke und Lebenszeugnisse in diese Figuren eingearbeitet, die damit quasi ein Stück seines Lebens präsentieren. Es sind „Moleküle“, Frauengestalten, die für Meurer Unterstützerinnen sind. Lange Zeit konnte er nicht auf die Kraft verzichten, die von diesen Figuren ausgeht.

Bemerkenswert ist der Kontrast zwischen den glatten Gesichtern der Schaufensterpuppen und dem ungefügen Korpus der Figuren. Jetzt hat er die Figuren auf eine Reise zur 3. Art Brut Biennale nach Hengelo / NL geschickt, wo die Besucher sich mit ihnen auseinandersetzen können.
Am 12. Mai 2018 wurden sie in Kevelaer abgeholt, in der Ausstellung werden sie ab dem 25. Mai 10 Tage zu sehen sein.

Markus Meurer bei der Art Brut Biennale 2018 in Hengelo

Die Art Brut Biennale in Hengelo / NL ist im Jahre 2018 noch internationaler als in den Vorjahren. Teilnehmer aus Holland, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und aus Japan zeigen hier ihre Kunstwerke.
Markus Meurer ist hier seit der ersten Ausstellung mit wichtigen Werken vertreten. Auch in diesem Jahr werden seine beeindruckenden Arbeiten die Besucher anziehen.

Markus Meurer, Rochenflieger, Assemblage, 2017, 11 x 33 x 23 cm. Foto: P. Nieting

Die Ausstellung wird am 25. Mai 2018 um 20 Uhr eröffnet im Hazemeijer-Komplex, Tuindorpstraat 61, 7555 CS Hengelo. Bis zum 3. Juni 2018 ist sie täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Markus Meurer, Wal-Haifischlein, Assemblage, 2017, 7 x 10 x 18 cm. Foto: P. Nieting

Gerhard Ulrich: Was ist Kunst? (Ordnung und Eigenart)

„Alle Kunstwerke zeigen Gesetzmäßigkeit. Sie haben eine nur ihnen innewohnende Ordnung, einen nur ihnen eigentümlichen Rhythmus, die sich sowohl im Gesamt wie in den Teilen äußern. … Dieses Ordnungsprinzip ist zutiefst mit der inneren Beschaffenheit und Begabung des Künstlers verknüpft, es drückt sein Wollen und Vermögen aus.  Aber es hängt auch von den Möglichkeiten ab, die der jeweiligen Kunstgattung zur Verfügung stehen. Es geht dabei um Materialien und Werkzeuge, zu denen vom Künstler her ganz bestimmte Neigungen bestehen.“

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Markus Meurer, Petra – Ma Maid (Detail), Assemblage, 2008, 54 x 25 x 30 cm. Foto: P. Nieting

„Denn in der Kunst gibt es immer wieder eine Zone, in der Geistig-Seelisches und Materiell-Technisches untrennbar ineinander übergehen oder sich gegenseitig bedingen. Das Kunstwerk ist nicht nur Geist und Seele, sondern auch Leib. Dieser Leib aber besteht aus Flächen und Körpern, aus Maßen und Proportionen, aus Linien und Farben. …Man bringt diese Elemente zueinander in Ordnungsverhältnisse. In dieser ‚Komposition‘ werden sie dissonant zu Spannungen gebracht oder harmonisch gelöst.“ (Gerhand Ulrich, Was ist Kunst?, Gütersloh 1967, S. 26 f.)

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Markus Meurer, Petra – Ma Maid, Assemblage, 2008, 54 x 25 x 30 cm. Foto: P. Nieting

Freigegeben

Markus Meurer, Kunststrahler, 2017, 22 x 18 x 6 cm. Foto: P. Nieting

Die Ausstellung in Berlin ist beendet, die Arbeit für die Kunst bleibt. Hier zwei neu freigegebene Werke.

Markus Meurer, Segelboot spezial, 2015, 28 x 40 x 14 cm, Foto: P. Nieting

Starke Resonanz

Die Ausstellung „Markus Meurer“ in der Galerie ART CRU stößt in Berlin auf starke Resonanz. Der „Tagesspiegel“ machte mit einem Foto auf die Ausstellung aufmerksam, andere Tageszeitungen wiesen auf die Eröffnung hin.
Die Ausstellung verlangt dem Betrachter viel ab: Die Werke sind sehr eigenwillig präsentiert, oft an Schnüren gereiht oder als Häufung angeordnet, nur wenige wurden als Einzelwerke hervorgehoben. Man muss schon sehr genau die einzelnen Werke in den Blick nehmen, um ihre Qualität zu erkennen.

Galerie ART CRU Berlin, „Markus Meurer“, 8.3.-7.4.2018