Monatsarchiv: Dezember 2018

Ein Engel zum Jahreswechsel

Immer wieder tauchen unter den Werken von Markus Meurer Engel auf. Diesen Engel, der schon 2016 entstanden ist, fanden wir jetzt in einem Karton mit diversen anderen Objekten.

Markus Meurer, Imkes Traum-Engel, Assemblage, 2016, 32 x 30 x 10 cm. Foto P. Nieting

Für sein Gesicht benutzte Meurer eine glatte fotografische Vorlage, die er aber mit Filzstift und Wachs und Farbe so veränderte, dass die Glätte gemildert wurde und „sein“ Engel entstand.

Es ist ein besonderer Engel, die Flügel sind grob aus Draht hergestellt, das Gewand ist  zusammengeknülltes Zellophanpapier, die gefalteten Hände sind nur angedeutet, der Blick ist abgewendet.

„Aber er hat eine schöne Ausstrahlung“, sagt Markus Meurer, „in seiner losgelassenen Entstehung ist er einzigartig schön.“  – Natürlich bete er, „das ist das Übliche bei Engeln, die beschützen mit ihrem Gebet die Menschen.“  Das abgewandte Gesicht?  „Der hat eigentlich ganz andere Dinge zu tun, das macht er nur nebenbei.“

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Vogel im Advent

Ein eleganter Vogel von Markus Meurer auf einem Adventskranz. Das Holzstück, aus dem der Vogel entstanden ist, wurde nur leicht bearbeitet, hier spielt die Farbe die Hauptrolle. Etwas Rinde wurde am Holz belassen und bildet die Flügel des Vogels.

Markus Meurer, Vogel auf Adventskranz

Markus Meurer, Vogel auf AdventskranzAssemblage, 2015, 9 x 3,5 x 11 cm. Foto P. Nieting

Typisch Meurer: Der Vogel sitzt auf einem dicken Korken. Zwei Kronkorken verstärken die Unterlage. Draht verbindet alles. Und schon ist aus weggeworfenem Material eine bezaubernde Skulptur entstanden.

Emmanuel Merle zu Markus Meurer

In dem Katalog zur „art partagé 2018“ in Rives setzt sich der französische Lyriker Emmanuel Merle mit den Werken in der Ausstellung auseinandert.

Bei Markus Meurer geht er auf dessen großen Figuren ein. Er schreibt:

Que voit-on lorsqu’on éviscère une télévision ? Lorsqu’on désosse un ordinateur ou un portable ? S’imagine-t-on ramper dans les circuits labyrinthiques et numériques des big data ?

Le chaos organisé, le recyclage des déchets industriels et informatiques et la rationalisation déjantée du sousobjet débouchent, c’est selon, sur la tendresse ou l’angoisse, deux faces d’une même pièce rouillée ou étincelante.

Car l’humain est au cœur de ces sculptures, un humain que son augmentation technologique en cyborg ne pourra jamais faire complètement disparaître.

Markus Meurer, Chemiker, Assemblage, 2015, 185 x 60 x 60 cm.     Foto P. Nieting

Hier der Versuch einer Übertragung ins Deutsche (mit Dank an Jan, Ingrun und Anny):

Was kommt zum Vorschein, wenn man einen Fernseher zerlegt? Wenn man einen Computer oder ein Handy auseinandernimmt? Stellt man sich bisweilen vor, durch die labyrinthischen digitalen verschlungenen Wege kriechen zu können?

Die Organisation des Chaos, die Verwertung von industriellen Abfällen und weggeworfenen Datenträgern, die Freilegung von Darunterliegendem, sie erzeugen etwas gleichermaßen Zartes und Furchterregendes, zwei Seiten einer Medaille, verrostet und sternenfunkelnd zugleich.

So wohnt diesen Skulpturen etwas zutiefst Menschliches inne, etwas Menschliches, das trotz ihrer Überhöhung zu Maschinenwesen niemals ganz verschwindet.